Zwei Ebenen
Je nach dem mit welcher Philosophie oder vielleicht auch nur unterschiedlichen Texten derselben Tradition wir uns beschäftigen, kann es zu Verwirrungen scheinbar unterschiedlicher und sich widersprechender Aussagen kommen. Da ist wichtig zu schauen worüber gesprochen wird und um welchen Aspekt es gerade geht.
So erscheint ein Text wie „Raupe oder Schmetterling“ oder „Ein Zug“ wie der Beweis dafür, dass wir noch nicht gut genug sind oder noch nicht das erreicht haben was wir eigentlich sind.
Da ist es wichtig unterschiedliche Ebenen auseinander zu halten.
Das Bild der Wandlung zum Schmetterling bedeutet auf einer Ebene das Potential das in uns steckt und die natürliche Entwicklung die wir durchlaufen werden.
Diese Entwicklung zu etwas höherem erscheint uns so schnell als „Weg“, das Ziel als etwas was wir noch nicht sind und es somit noch zu erreichen gilt. Dies findet jedoch nur auf einer Ebene statt und ist der Ausdruck einer relativen, weil sich permanent verändernden, Realität.
Auf einer anderen Ebene, die als absolute, da sich nicht verändernde, Realität bezeichnet wird bedeutet dies Bild, dass wir in unserer Essenz dieser Schmetterling bereits sind, immer waren und sein werden. Folglich gibt es auch keinen „Weg“ oder etwas was es noch zu erreichen gilt. Das mag zunächst etwas verwirrend erscheinen, wird aber vielleicht klarer, wenn wir uns folgende Erfahrung immer wieder vergegenwärtigen:
Im Moment des reinen Seins ist alles wundervoll. Es gibt nicht den Ansatz eines Gedankens, dass es noch etwas an uns oder dem Moment zu verändern gibt. Die Erfahrung eines Momentes des reinen Seins ist in sich von einer nicht greifbaren Vollkommenheit.
Dasselbe ist es mit uns selbst. Alle anderen Momente sind wie Kleider die unsere Seele trägt. Sie kommen, verändern sich und werden wieder gehen. Aber egal welche Kleidung unsere Seele auch tragen mag oder ihr übergestülpt werden, wird sie selbst davon unberührt bleiben, strahlend rein und vollkommen sein.